Kluge Männer behandeln Dating oft wie ein Problem, bei dem man vor allem Fehler vermeidet. Sie halten sich an jede ungeschriebene Regel, warten auf Sicherheit, erzählen zu viel über sich und bewegen sich dort, wo kaum attraktive Frauen sind. Das sind sieben Gründe, und jeden davon kannst Du ändern.
Ich kenne das von mir selbst: im Job Probleme lösen, die andere nicht einmal verstehen, und bei der Frau, die mich wirklich interessiert hat, unsichtbar sein. Seit 2009 arbeite ich als Dating-Coach mit genau solchen Männern.
Das Wichtigste in Kürze
- Kluge Männer behandeln Dating oft wie ein Problem, bei dem man vor allem Fehler vermeidet. Das macht sie berechenbar.
- Die häufigsten Bremsen: jede Regel einhalten, auf Sicherheit warten, zu viel über sich erzählen und dort unterwegs sein, wo kaum Frauen sind.
- Alle sieben Gründe sind Verhalten, und Verhalten lässt sich ändern.
1. Hältst Du Dich an jede ungeschriebene Regel?
Kluge Männer wollen fair, korrekt und respektvoll sein. Das ist gut, macht sie aber oft berechenbar. Sie wirken wie ein Bewerber auf eine Beamtenstelle, und anziehend ist das selten.
Van Kleef und Kollegen haben 2011 in vier Studien gezeigt, dass Menschen, die kleine soziale Regeln brechen, von anderen als mächtiger wahrgenommen werden. Getestet wurden Dinge wie Kaffee aus einer fremden Kanne nehmen oder die Füße auf den Tisch legen. Gemessen wurde allerdings wahrgenommene Macht. Ob das auch anziehend wirkt, hat die Studie nicht untersucht. Dass es sich aufs Flirten überträgt, ist meine Einschätzung aus der Praxis.
Was das konkret heißt: Gesetze und Grenzen bleiben selbstverständlich. Aber Du musst nicht jedem Konflikt ausweichen und nicht alles abnicken. Sei ruhig mal frech, fordere sie heraus („Kannst Du überhaupt kochen?“) und steh dazu, dass Du sie attraktiv findest.
2. Vermeidest Du Fehler, statt Chancen zu nutzen?
Wenn Du Single bist, kannst Du beim Ansprechen kaum etwas verlieren. Schlimmstenfalls bleibst Du, was Du schon bist. Trotzdem prüfen viele kluge Männer erst alle Variablen. Daraus entsteht Podestdenken: „Ich habe so wenige Chancen, jetzt muss alles perfekt sein.“ Genau diese Haltung spürt sie, und sie wirkt wenig anziehend.
Übe deshalb, im Gespräch zügig zum nächsten Schritt zu gehen: nach der Nummer fragen, den Arm um sie legen, küssen, wenn es sich richtig anfühlt. Warte nicht auf hundertprozentige Sicherheit. Welche Signale wirklich etwas bedeuten, steht in meinem Artikel Woran erkennst Du, dass sie auf Dich steht?
3. Redest Du zu viel über Deinen Erfolg?
Status ist attraktiv, wenn er beiläufig rüberkommt. Wer ihn ausbreitet, wirkt wie ein Vertreter, der etwas verkaufen will, und stellt sie damit wieder aufs Podest.
Erzähl ein bisschen von Dir, frag sie etwas und lass sie den Rest selbst entdecken. Fängt sie an, Fragen zu stellen, bist Du auf dem richtigen Weg. Viele nette Männer glauben, sie müssten gleich alles offenlegen, vom Beruf bis zur Krankenakte. Humor, eine freche Gegenfrage und ein bisschen Geheimnis wirken stärker.
4. Bist Du dort, wo attraktive Frauen sind?
Attraktive Frauen lernen ihre Partner oft im eigenen Umfeld kennen und entscheiden aus dem Bauch heraus. Solange Du dort nicht auftauchst, existierst Du für sie nicht.
Viele introvertierte Männer bewegen sich in einer Blase mit wenigen Frauen und warten auf den richtigen Moment. Taucht dann doch eine auf, ist die ganze Blase nervös. Die Lösung ist ein Interesse, das Dir wirklich Spaß macht und bei dem Du Frauen triffst: Auflegen, Fotografie, Golf oder ein Kurs, in dem Du richtig gut wirst. Dann bist Du dort sichtbar, und es fühlt sich nicht wie Arbeit an. Wie Du dann ins Gespräch kommst, zeige ich Dir im Artikel Der perfekte Anmachspruch.
5. Sind Deine hohen Ansprüche in Wahrheit Angst vor Ablehnung?
„Ich bin eben wählerisch“ klingt nach Standard. Oft steckt dahinter, dass man sich keiner Ablehnung aussetzen will. Wählerisch zu sein ist sinnvoll, wenn Du aktiv bist: ansprichst, Dates hast und dann die Besten auswählst. Ohne diese Aktivität wird es zur Ausrede, und die Passivität verstärkt sich von Jahr zu Jahr.
Kurzfristig schützt Dich das vor einem Korb. Langfristig holt Dich die Einsamkeit ein, das erlebe ich in meinen Gesprächen mit Männern jede Woche. Sammle deshalb Erfahrung. Ich habe damals angefangen, meine Cousine und gute Freundinnen auf einen Kaffee einzuladen, einfach um sicherer im Umgang mit Frauen zu werden. Was Du wirklich willst, merkst Du erst im echten Kontakt.
6. Verwechselst Du Dominanz mit Aggression?
Dominanz heißt hier: Du führst, und sie kann Dir folgen. Das zeigt sich in Körperhaltung, Stimme und Gesprächsführung. Nimm Dir Raum, sprich ruhig, bring Themen ein, die Dich interessieren, und wechsle das Thema, wenn es Dir passt. Sie soll sich bei Dir geführt und sicher fühlen.
Bei vielen meiner Klienten sehe ich ein Muster: Ein Vater, der zu Hause aggressiv war, und daraus der Vorsatz „So will ich nie werden“. Aus diesem Vorsatz wird oft eine Abneigung gegen jede Form von Führung, und das ist die Eintrittskarte in die Freundeszone.
7. Verstehst Du Logik besser als Gefühle?
Ein hoher IQ bedeutet nicht automatisch, dass Du gut erkennst, was in Dir und in ihr gerade vorgeht. Viele analytische Männer suchen im Gespräch die richtige Antwort, während sie vor allem darauf achtet, wie Du etwas sagst. Fühlt sie sich nicht verstanden, liest sie das als „passt nicht“.
Das lässt sich trainieren: Achte im Gespräch auf Tonlage, Stimmung und kleine Veränderungen in ihrem Gesicht. Je öfter Du echte Gespräche mit Frauen führst, desto schneller lernst Du das.
Häufige Fragen
Ist Intelligenz beim Dating ein Nachteil?
Intelligenz selbst ist kein Nachteil. Im Weg stehen Gewohnheiten, die oft damit einhergehen: zu viel analysieren, auf Sicherheit warten und Gespräche wie eine Sachfrage führen. Das sehe ich in meinen Coachings mit Ingenieuren, Informatikern und Juristen immer wieder.
Kann man Ausstrahlung lernen?
Zu einem großen Teil ja, weil Ausstrahlung vor allem aus Verhalten besteht: Körperhaltung, Stimme und wie Du ein Gespräch führst. Das lässt sich üben, am schnellsten in echten Gesprächen mit Frauen.
Wo lernen introvertierte Männer Frauen kennen?
Dort, wo sie einem Interesse nachgehen, das ihnen Spaß macht und bei dem auch Frauen sind, etwa Auflegen, Fotografie, Golf oder ein Kurs. Dann musst Du Dich nicht verstellen, und Gespräche ergeben sich aus der gemeinsamen Sache.
Bin ich zu wählerisch?
Wählerisch zu sein ist sinnvoll, wenn Du aktiv bist und genug Frauen kennenlernst, um auszuwählen. Ohne diese Aktivität wird es leicht zur Ausrede, um keine Ablehnung zu riskieren.
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Quellen
- Van Kleef, G. A., Homan, A. C., Finkenauer, C., Gündemir, S. & Stamkou, E. (2011). Breaking the rules to rise to power: How norm violators gain power in the eyes of others. Social Psychological and Personality Science, 2, 500–507. doi.org/10.1177/1948550611398416
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